Welche Conversions bringen dir wirklich Geld?
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Mehr Conversions und trotzem weniger Umsatz?
Dein Werbekonto meldet einen guten Monat: mehr Conversions, niedrigerer Preis pro Conversion. Dein Vertrieb oder dein Warenwirtschaftssystem meldet etwas anderes: Bestellungen, die nie bezahlt wurden, Anmeldungen, die nie benutzt wurden, Pakete, die zurückkommen. Beide Zahlen stimmen. Sie messen nur verschiedene Dinge.
Der Punkt dahinter ist einfacher, als er klingt: Ein Werbekonto optimiert auf das, was du ihm zeigst. Zeigst du ihm die abgeschickte Bestellung, sucht der Algorithmus Menschen, die Bestellungen abschicken. Zeigst du ihm die bezahlte oder aktivierte Bestellung, sucht er Menschen, die Kunden werden. Was er nicht schnell genug erfährt, etwa die Retoure nach drei Wochen, musst du ihm einpreisen statt beibringen. Beides sind Steuerungshebel, und in vielen Konten liegen sie ungenutzt herum.
Dieser Beitrag zeigt dir, wo zwischen Klick und Umsatz die Qualität einer Conversion entsteht, wie du sie in drei Kennzahlen fasst, und welche zwei Wege es gibt, sie in die Gebotssteuerung zurückzuspielen.
Drei Stufen nach dem Klick
Was das Konto als Conversion zählt, ist fast immer der erste messbare Moment: Bestellung abgeschickt, Formular gesendet, Konto angelegt. Für dein Unternehmen ist das ein Zwischenschritt. Der Umsatz entsteht später, und er kann auf jeder weiteren Stufe wieder verschwinden.
| Stufe | Online-Shop | Vertragsprodukt oder Software | Lead-Gewinnung |
| 1 Zählstand | Bestellung abgeschickt | Anmeldung abgeschlossen | Formular gesendet |
| 2 Realisierung | bezahlt und versendet | aktiviert und benutzt | Termin, Angebot, Auftrag |
| 3 Bestand | nicht zurückgeschickt | nicht gekündigt | Kunde bleibt |
Conversion-Qualität ist der Anteil deiner gezählten Conversions, der Stufe 2 und 3 erreicht. Zwei Kampagnen mit gleichem Preis pro Conversion können sich darin deutlich unterscheiden, im Shop-Beispiel weiter unten um den Faktor zwei, und im Konto sieht man davon nichts.
Drei Muster, die immer wieder auftauchen
Aus unserer Arbeit mit Konten verschiedener Branchen kehren drei Muster wieder.
Das Vertragsprodukt mit Zahlungsprüfung. Ein Anbieter von Verträgen mit monatlicher Abrechnung misst die Bestellung. Ein Teil der Bestellungen scheitert danach an der Zahlungsprüfung oder wird nie aktiviert. Die Bestellungen steigen von Monat zu Monat, für das Unternehmen zählt aber nur die Aktivierungsquote. Werbekonto und Buchhaltung sehen zwei Wahrheiten: „konvertiert” gegen „nie aktiv geworden”. Die Lösung lag in zusätzlichen Ereignissen aus dem Zahlungsprozess, die der Kampagne erst die aktivierte Bestellung als Erfolg melden.
Die Software, die sich jeder anmeldet und niemand benutzt. Ein Self-Service-Tool zählt die Registrierung. Die User melden sich an, gehen aber nciht über die Demo hinaus und werden nie zu zahlenden Kunden. Die Kampagne hat ihr Ziel erreicht, das Unternehmen nicht.
Der Shop, in dem jede zweite Bestellung zurückkommt. Ein Fashion-Shop hat eine umsatzstarke Kategorie, in der Größe und Passform entscheiden. Dort kommt grob jede zweite Bestellung zurück. Das Werbekonto zählt jede Bestellung mit vollem Warenwert. Der Return on Ad Spend dieser Kategorie ist im Konto damit etwa doppelt so hoch wie der reale. Solange der Ziel-ROAS für alle Kategorien gleich ist, bekommt genau diese Kategorie zu viel Budget.
Was die drei gemeinsam haben: Das Konto hat in keinem Fall falsch gezählt. Es hat nur auf Stufe 1 gezählt, und niemand hat ihm Stufe 2 oder 3 gezeigt.
Die Rechnung, die den Unterschied sichtbar macht
Drei Kennzahlen reichen, um Conversion-Qualität zu fassen. Du brauchst dafür keine neue Software, sondern eine Verbindung zwischen der Conversion-Liste des Werbekontos und dem System, in dem der Umsatz wirklich steht. Diese Verbindung ist die Bestellnummer oder Anfrage-ID, die mit jeder Conversion ans Konto übergeben wird, oder die Klick-ID, die dein CRM beim Eintrag speichert. Ohne einen dieser Schlüssel bleibt der Vergleich auf Konto-Ebene und wird je Kampagne zur Schätzung.
Netto-Conversions. Zählstand minus alles, was auf Stufe 2 oder 3 herausfällt: nicht bezahlt, nicht aktiviert, zurückgeschickt, storniert. Das ist die Zahl, die der Geschäftsführung gehört.
Netto-Kosten pro Conversion. Werbekosten geteilt durch Netto-Conversions. Erst diese Zahl lässt sich mit dem vergleichen, was dir ein Kunde wert ist.
Retourenbereinigter Break-even-ROAS. Der ROAS, ab dem eine Kampagne ihre Werbekosten gerade deckt, ist 1 geteilt durch die Deckungsbeitrags-Quote, also den Anteil vom Umsatz, der nach Wareneinsatz, Versand und Zahlungsgebühren übrig bleibt. Wer die Brutto-Marge einsetzt, rechnet sich den Break-even zu niedrig. Die Retouren kommen an genau einer Stelle in die Rechnung: Entweder du ziehst sie vom Umsatz ab und vergleichst den bereinigten ROAS mit dem Break-even aus deiner normalen Quote, oder du lässt den Konto-ROAS stehen und rechnest die Retouren in die Quote ein. Beides führt zum selben Urteil. Beides zugleich rechnet die Kategorie doppelt so schlecht, wie sie ist.
Ein Rechenbeispiel mit frei gewählten Werten: Eine Kategorie erzielt im Konto einen ROAS von 4. Die Deckungsbeitrags-Quote liegt bei 40 Prozent, der Break-even-ROAS damit bei 2,5. Sieht komfortabel aus. Kommt in der Kategorie jede zweite Bestellung zurück, halbiert sich der reale Umsatz aus der Werbung, und der bereinigte ROAS liegt bei 2. Dazu kosten die Retouren selbst Rückversand, Prüfung und Wiedereinlagerung, die Quote sinkt also noch etwas und der Break-even steigt. Die Kategorie, die im Konto wie der Gewinner aussieht, liegt real unter der Gewinnschwelle.
Zwei Wege, die Qualität zurück ins Konto zu bringen
Damit das Konto profitabel aussteuern kann, muss die Gebotssteuerung die Stufe 2 und/oder 3 kennen. Dafür gibt es zwei Wege, und die Wahl hängt von zwei Fragen ab: Wie viele Conversions hat deine Kampagne pro Monat, und wie schnell nach der Conversion steht das spätere Ereignis fest?
Weg 1: Das Ereignis verschieben. Du legst die spätere Stufe als eigene Conversion-Aktion an, zunächst als sekundäre Aktion zur Beobachtung. Sekundäre Aktionen erscheinen in der Spalte „Alle Conversions” und werden nicht für Gebote berücksichtigt. Nach einigen Wochen siehst du, wie sich Zählstand und Realisierung zueinander verhalten. Dann stellst du die spätere Stufe auf primär und die bisherige Stufe-1-Aktion gleichzeitig auf sekundär. Ab da sucht sie aktivierte Bestellungen oder qualifizierte Leads.
Der Preis dieses Weges: Die Signalmenge sinkt, weil nur noch ein Teil der bisherigen Conversions zählt. Der Algorithmus geht in eine Lernphase, Google nennt sieben bis vierzehn Tage, und in Nischen mit ohnehin hohen Klickpreisen können die Klickpreise in dieser Zeit deutlich steigen. Weg 1 braucht deshalb genug Conversions pro Monat, damit nach dem Verschieben noch ein lernfähiges Signal übrig bleibt, und ein Ereignis, das innerhalb weniger Tage feststeht.
Weg 2: Den Zählstand behalten und den Wert korrigieren. Du lässt die Bestellung als Conversion stehen und meldest dem Konto nachträglich, was daraus geworden ist. Google bietet dafür Conversion-Anpassungen an, mit denen sich eine gezählte Conversion bis 54 Tage rückwirkend zurückziehen oder neu bewerten lässt.
Der Haken: Für die automatische Gebotseinstellung zählt eine Anpassung nur, wenn sie innerhalb von sieben Tagen nach der Erfassung eingeht. Eine Retoure, die am zwölften Tag eintrifft, korrigiert also deine Berichte, aber nicht mehr die Gebote. Für Berichte und Budgetentscheidungen ist Weg 2 in jedem Fall sinnvoll. Für die Gebotssteuerung selbst reicht er nur bei Ereignissen, die schnell feststehen, etwa einer Zahlungsablehnung am selben Tag.
Für langsame Ereignisse wie Retouren oder Kündigungen bleibt deshalb ein indirekter Hebel: Du trennst die Kategorie mit hoher Retourenquote in eine eigene Kampagne, zum Beispiel über einen Produktfilter, und gibst dieser Kampagne einen Ziel-ROAS, der aus dem retourenbereinigten Break-even abgeleitet ist. Dieser Ziel-ROAS muss auf den Umsatz gerechnet sein, den das Konto sieht, also mit den Retouren in der Quote, nicht im Umsatz: Im Rechenbeispiel bleiben von 100 Euro Konto-Umsatz 50 im Haus und davon 40 Prozent Deckungsbeitrag. Die Quote auf den Konto-Umsatz ist also 20 Prozent, der Ziel-ROAS liegt bei mindestens 5, nicht bei 2,5. Das Konto lernt die Retoure dann nicht, aber es bekommt sie eingepreist.
Entscheidungsregel: Steht das Ereignis innerhalb weniger Tage fest (Zahlungsprüfung, Aktivierung, Erstkontakt im Vertrieb) und hat die Kampagne genug Conversions: verschieben. Schnelles Ereignis, aber wenige Conversions: Zählstand behalten und per Anpassung korrigieren. Langsames Ereignis wie Retoure oder Kündigung, egal wie viele Conversions: Zählstand behalten, Berichte per Anpassung bereinigen und die Kategorie in einer eigenen Kampagne mit Ziel-ROAS aus der Netto-Rechnung steuern.
Womit du morgen anfängst
- Liste deine Conversion-Aktionen und schreib neben jede, auf welcher der drei Stufen sie misst. In fast jedem Konto, das wir übernehmen, steht alles auf Stufe 1.
- Hol dir die Stufe-2-Zahl aus dem System, in dem sie liegt: Zahlungsdienst, Vertriebs-Software, Warenwirtschaft. Ein Monat reicht für den ersten Vergleich, sobald das Retouren- oder Aktivierungsfenster dieses Monats abgelaufen ist.
- Rechne Netto-Conversions und Netto-Kosten pro Conversion je Kampagne. Die Kampagne mit dem besten Preis pro Conversion ist selten die mit der besten Netto-Zahl.
- Für Shops: Retourenquote je Kategorie neben den ROAS je Kategorie legen und den bereinigten ROAS gegen den Break-even stellen.
- Wähle den Weg: Signalmenge und Geschwindigkeit des Ereignisses prüfen. Bei Weg 1 die spätere Stufe als sekundäre Aktion anlegen und einen Beobachtungszeitraum festlegen, erst danach umstellen. Bei Weg 2 den Anpassungs-Upload einrichten; bei langsamen Ereignissen zusätzlich die Kategorie in eine eigene Kampagne trennen.
FAQ
Weil das Konto meist den ersten messbaren Moment zählt, etwa die abgeschickte Bestellung, und nicht den Umsatz. Alles, was danach scheitert, bleibt im Konto eine Conversion: Zahlungsablehnung, fehlende Aktivierung, Retoure. Die Differenz ist kein Messfehler, sondern die Lücke zwischen Zählstand und Realisierung.
Multipliziere den Umsatz aus der Werbung je Kategorie mit dem Anteil, der nicht zurückkommt, und teile durch die Werbekosten. Vergleiche diesen bereinigten ROAS mit dem Break-even aus deiner Deckungsbeitrags-Quote, plus den Kosten, die eine Retoure selbst verursacht. Entscheidend ist die Rechnung je Kategorie, weil Retourenquoten zwischen Produktgruppen stark abweichen.
Nur, wenn das Ereignis innerhalb weniger Tage feststeht und danach genug Signal übrig bleibt. Leg die spätere Stufe erst als sekundäre Conversion-Aktion an, beobachte einige Wochen und stell dann um. Für die Lead-Gewinnung gibt es dafür eigene Zielvorhaben, „qualifizierte Leads” und „Leads mit Conversion”, die spätere Schritte aus dem Vertrieb importieren. Rechne mit einer Lernphase und möglichen Klickpreis-Sprüngen, und bewerte das Ergebnis frühestens nach vier bis sechs Wochen.
Sie korrigieren gezählte Conversions nachträglich: Zurückziehen entfernt die Conversion vollständig aus den Berichten, Neubewerten ändert nur ihren Wert. Das bereinigt deine Berichte bis 54 Tage rückwirkend. Für die Gebotssteuerung wirken sie laut Google nur innerhalb von sieben Tagen nach der Conversion, langsame Ereignisse wie Retouren kommen dafür meist zu spät.
Wenn du das für dein Konto durchrechnen willst
Wir bauen diese Rechnung für Kunden regelmäßig auf, von der Verbindung zwischen Werbekonto und Zahlungs- oder Vertriebssystem bis zur Entscheidung, welcher Weg zu Signalmenge und Tempo deiner Ereignisse passt. Wenn du wissen willst, wie groß die Lücke zwischen Zählstand und Umsatz in deinem Konto ist, melde dich. Der erste Vergleich braucht einen abgeschlossenen Monat, dessen Retouren oder Aktivierungen durch sind, und ein Gespräch.